Haftentlassung und offener Vollzug in Verfahren wegen versuchten Mordes

In einem Schwurgerichtsverfahren warf die Staatsanwaltschaft unserem Mandanten versuchten Mord vor. Der Mandant sollte laut Anklageschrift im April diesen Jahres gemeinsam mit drei weiteren Angeklagten auf der Warschauer Brücke eine Schlägerei mit einer anderen Gruppe angezettelt haben, bei der ein junger Mann getreten und geschlagen wurde, bis er bewusstlos war. Dabei soll das Opfer mehrere Trümmerbrüche im Kopfbereich erlitten haben. Nachdem das Gericht noch nach dem dritten Hauptverhandlungstag im Rahmen eines sog. Rechtsgesprächs verlauten ließ, dass es unseren Mandanten als Haupttäter einstuft und zu einer Freiheitsstrafe von nicht unter acht Jahren tendiert, gelang es uns im weiteren Verlauf der Beweisaufnahme darzulegen, dass es aufgrund unsachgemäß durchgeführter Gegenüberstellungen am Tatort zu einer Verwechslung unseres Mandanten mit einem anderen Angeklagten gekommen war. Das Gericht kam deshalb am Ende der Hauptverhandlung zu dem Schluss, dass unser Mandant keinerlei Tätlichkeiten gegenüber dem schwer verletzten Geschädigten begangen, sondern lediglich einer anderen Person aus der Opfergruppe Schläge versetzt hatte. Während zwei der Mitangeklagten wegen versuchten Mordes zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden, erkannte das Gericht bei unserem Mandanten lediglich auf gefährliche Körperverletzung, verhängte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und entließ ihn aus der Untersuchungshaft (Landgericht Berlin, AZ 524 – 60/11, rechtskräftig).